Dialog der Schrift:
Autorschaft
in der Gestaltung

Symposium und begleitende Ausstellung
der Muthesius Kunsthochschule Kiel,
Fachbereich Typografie und Gestaltung
(7. bis 24. Juli 2011)


Abstract

Die Bedeutung der Autorschaft in der Gestaltung ist in den letzten Jahren vielfach diskutiert worden. Jedoch macht die häufig unkritische Rezeption des Prinzips ›Gestalter=Autor‹ eine erneute Verhandlung des Themas in Form eines interdisziplinären Diskurses sinnfällig. Dabei stehen dezidiert Gedanken zum Selbstverständnis des Gestalters im Mittelpunkt. Fragen nach Stellung und Rolle(n) des Gestalters gehen damit einher.

Wie reagieren Gestalter auf die Veränderungen ihres Berufsbildes? Wie gehen sie mit der gegenseitigen Durchdringung unterschiedlichster Text- und Bildräume um?

Kann es eine nicht-inszenierende, eine autorenlose Typografie überhaupt geben? Gibt es Nicht-Gestaltung? Ist nicht immer ein Teil des Gestalters in der Gestaltung enthalten, der es erlaubt, von Autorschaft zu sprechen? Welches sind die Wechselbeziehungen innerhalb der Trias ›Autor–Werk–Gestalter‹?

Der Begriff Autorschaft mag zwar neue Herangehensweisen an Gestaltung suggerieren; er kann aber genausogut als kontraproduktive Legitimation überholter Mythen vom ›genialen Gestalter‹ missbraucht werden.

Inwieweit können GestalterInnen ein Werk überhaupt ihr Eigen nennen? In einer Zeit, in der Plagiate alltäglich werden, wird die Frage nach dem geistigen Eigentum immer wichtiger. Gilt es dies zu schützen? Oder leben Werke von der Einverleibung und Fortsetzung anderer Werke? Ist es am Ende sinnvoller, vom Gestalter als ›Übersetzer‹, ›Regisseur‹ oder ›Co-Autor‹ zu sprechen?

Diesen und weiteren Fragen versuchte das Symposium in der Gegenüberstellung heterogener, zeitgenössischer Positionen aus Theorie und Praxis auf den Grund zu gehen.


Symposium

Autor, Künstler, Gestalter – über die Rollen der Kreativen
(Dr. Sabine Kampmann)
Identität, Künstlertum und Autorschaft werden in der bildenden Kunst verstärkt seit den späten 1960er Jahren zum Gegenstand kritischer Befragung und ironischer Reflexion. Der Vortrag diskutiert die Frage ›Was ist ein Künstler?‹ anhand paradigmatischer autorschaftsreflexiver Beispiele aus Fotografie, Performance und Installationskunst und stellt Beziehungen zu jenen Debatten über den ›Tod‹ beziehungsweise das ›Verschwinden‹ des Autors her, die von Michel Foucault und Roland Barthes zeitgleich angestossen wurden. Neben einem Blick auf die enorme Bandbreite, in der sich zeitgenössische Autorschaft heute abspielt – vom genialen Schöpfer zum anonymen Organisator ästhetischer Prozesse –, soll die Funktion von Autorschaft beleuchtet werden. Wenn man Autorschaft nicht als etwas begreift, das ein Werk oder ein Subjekt ›hat‹, sondern das diesem jeweils kontextspezifisch in der Kommunikation zugewiesen wird, ergeben sich neue Perspektiven auf die Funktionsrolle ›Autor‹. Dabei soll auch die Unterscheidung von literarischem Autor und Bildautor helfen, die spezifische Rolle des Gestalters genauer zu fassen. 


Dr. Sabine Kampmann ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und lebt in Berlin. Studium der Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Psychologie in Bochum und Pisa; 2000 bis 2002 Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes; Dissertation über Autorschaftskonzepte in der Gegenwartskunst (»Künstler sein. Systemtheoretische Beobachtungen von Autorschaft«, Fink Verlag 2006); seit 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig; von 2006 bis 2010 Redakteurin der Zeitschrift »kritische berichte«; 2008 Gründung und Herausgabe von »Querformat. Zeitschrift für Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur«; 2008/2009 PostDoc-Kollegiatin im Graduiertenkolleg Bild-Körper-Medium, HfG Karlsruhe; aktuell PostDoctoral Fellow des MaxNetAging an den Max-Planck-Instituten in Rostock und Florenz und Lehrbeauftragte an der Ruhr-Universität Bochum. Arbeitsschwerpunkte: Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts und visuelle Kultur in Theorie und Praxis; aktuelle Forschungsprojekte zum Alter(n) in Kunst und visueller Kultur sowie zum Tattoo.


Kleine Münze 
(Friedrich Forssman)
Inwiefern ist der Gestalter ›Autor‹? Zunächst hat ihn das Thema in jenem Wortsinn zu interessieren, der auf ›Autorität‹ verweist: Eine solche möchte jeder Gestalter werden, er möchte ein ›Gesamtwerk‹ akkumulieren und zu einem jener geheimnisvollen Wesen werden, die man ›relevante Designer‹ nennt, dabei Aura-Effekte ausnutzend. Es gibt aber auch praktische Aspekte des Begriffs der ›Autorschaft‹: Was bedeutet es für den Typografen, dass er Schriften verwendet, die stets eine gewisse Eigenständigkeit und Expressivität haben, und oft sogar eine viel stärkere als sein eigener Beitrag zur jeweiligen Arbeit? Und: Kann das bewusste übernehmen und formale Zitieren (also die Haupttechnik etwa des Buchgestalters) ausgesprochen eigenschöpferisch sein, oder wird die Autorschaft des Gestalters durch diese Grundtechniken eher eingeschränkt? Und schliesslich: Gestalter treffen ihre Entscheidungen selten allein, sondern haben (im Gegensatz zu Künstlern) einen klar umrissenen Vermittlungsauftrag, bei dem sie mit dem Auftraggeber, mit Büropartnern und Kollegen darüber diskutieren, wie er erfüllt werden kann, und überarbeiten ihre Entscheidungen daraufhin oft und gerne grundlegend, wobei die Autorschaft sich notwendigerweise verteilt und verunklart. 


Friedrich Forssman (*1965 in Nürnberg) ist deutscher Buchgestalter, Typograf, Gebrauchsgrafiker und Fachautor. Forssman wuchs in der Schweiz und Deutschland auf. Er verliess das Gymnasium in Marburg vorzeitig, um Buchgestalter zu werden. Nach seiner Schriftsetzerlehre in Bamberg ging er auf die Fachoberschule für Gestaltung in Darmstadt und schloss diese 1985 mit dem Fachabitur ab. An der Fachhochschule Darmstadt studierte er zunächst Grafikdesign und wechselte anschliessend an die Fachhochschule Mainz zu Hans Peter Willberg. Für die Neugestaltung des Gutenberg-Jahrbuchs erhielt Friedrich Forssman 1990 das Gutenberg-Stipendium der Stadt Mainz. Aufgrund seiner Studienarbeit über die Möglichkeit des Satz für das typografisch komplexe Spätwerk von Arno Schmidt erhielt er eine Stelle bei der Arno Schmidt Stiftung, für die er nach jahrelanger Arbeit eine gesetzte Version von Zettel’s Traum erstellte. Im Oktober 2010 erschien im Suhrkamp Verlag die »Bargelder Ausgabe. Werkgruppe IV, Band 1. Standardausgabe. Zettel’s Traum« als gesetztes Buch. Forssman ist mit der Textildesignerin Cornelia Feyll verheiratet.

 

… denn Fragen zu stellen ist der erste Schritt
(Lupi Asensio und Martin Lorenz)
»After 15 or 20 years I discovered that design is just language and the real issue is what you use that language to do. Now I’m at a point where I’m tired of talking about what kind of accents to use. I want to talk about the words that are being said.« (Tibor Kalman) Der Schritt vom Gestalter zum Autor ist für uns eine natürliche Entwicklung gewesen. Zunächst stellten wir uns mit dem Gestalten interessanter visueller Lösungen zufrieden, dann wünschten wir uns reale Kommunikationsprobleme, um sinnvolle Lösungen schaffen zu können, und letztendlich waren wir es leid, auf die Probleme zu warten. Wir begannen, eigene Fragestellungen zu formulieren, denn Fragen zu stellen ist der erste Schritt, um zu einem Produkt, wie zum Beispiel zu einem Buch, zu gelangen. In Zusammenarbeit mit dem Verlag, der Fragen anderer Natur stellt, definierten wir das Problem, das uns als Designer als Gestaltungsvorlage diente. Unsere Arbeit als Autor, aber auch als Firmengründer, hat unsere Sichtweise auf Design grundsätzlich verändert. Anstatt uns sofort in die visuelle Umsetzung zu stürzen, wenn wir einen Auftrag erhalten, wollen wir das Produkt oder Unternehmen unseres Kunden zunächst verstehen und gutheissen. Die Form ist für uns zu einer logischen Konsequenz des Inhalts geworden. Es ist für uns nicht mehr möglich, das eine vom anderen zu trennen. Form ist Inhalt und Inhalt ist Form. 


Lupi Asensio und Martin Lorenz sind »TwoPoints.Net«. Sie lernten sich an der KABK (Königliche Akademie der bildenden Künste) in Den Haag kennen. Lupi kam als Austauschstudentin von der Universität in Barcelona und Martin als Austauschstudent von der FH Darmstadt. Im Jahr 2000 kehrte Lupi nach Barcelona zurück um ihr Studium abzuschliessen und Martin blieb um an der KABK um zu diplomieren. 2001 zogen beide nach Frankfurt am Main, wo Martin für die nächsten vier Jahre im Hort arbeitete und Lupi an der FH Darmstadt und der HFG Offenbach studierte. Seit 2005 leben sie in Barcelona, dirigieren einen Aufbaustudiengang in angewandter Typografie an der Designschule Elisava, lehren Typografie und flexible Systeme in visuellen Identitäten, sind Autoren der Bücher »TheOneWeekendBookSeries«, »Neuland«, »latino-grafico«, »Left, Right, Up, Down«, »I Love Futura«, »I Love Avant Garde«, »I Love Bodoni« und »I Love DIN«, sind Vorstandsmitglieder der offiziellen Kammer der katalanischen Grafik-Designer, Mitbegründer der Firma Constructing Communications, Creative Direktoren der Architekturzeitschrift Quaderns, organisieren die Vortragsreihe »2/4 de 8« und initiieren als Hobby experimentelle Projekte wie »Stille-Post.me«.


Brauchen Autoren gute Schriften?
(Jan Middendorp)
Viele Grafikdesigner, die einen konzeptionellen Ansatz für sich beanspruchen und sich selbst als ›Autoren‹ bezeichnen, scheinen davon überzeugt zu sein, dass Aufmerksamkeit für das typographische Detail lediglich von der Essenz ablenkt. Auf Inhalte und Ideen gerichtetes Design – so folgern sie – sollte nicht der Eleganz der Form frönen; überlegungen zur Schriftwahl sind für sie nicht mehr als typografischer Fetischismus. Daher rührt die im zeitgenössischen Grafikdesign zu beobachtende Vorliebe für die Verwendung von Standard-Schriftarten, welche der Arbeit eine ›undesignte‹ Erscheinung verleihen: Times, Helvetica, Arial, Courier. Das alles haben wir natürlich schon einmal erlebt, in der Kunst wie auch im Design. In der Vergangenheit behaupteten Grafikdesigner, objektive, unpersönliche, unsichtbare Arbeiten anzustreben – als Medium, das hinter die Inhalte zurücktritt. Rückblickend wirken diese Arbeiten oftmals erstaunlich eigenwillig und bringen eine starke stilistische Vision zum Ausdruck. Könnte die heutige ›Nicht-Gestaltung‹, das ›Default-Design‹, das Ergebnis eines ähnlichen Missverständnisses sein? Ist es Designern überhaupt möglich, Autoren zu sein und trotzdem typografisch interessante Arbeiten zu erschaffen? Eine kurze Untersuchung. 


Jan Middendorp ist seit Mitte der Neunziger ›type writer‹: er schreibt über Schrift. Bekannt wurde er mit »Dutch Type«, einer Übersicht der Schriftgestaltung in den Niederlanden (2004, ausverkauft). Mit Erik Spiekermann war er Herausgeber von »Made with FontFont« (2006), und mit Alessio Leonardi machte er eine Bildergeschichte von Linotype (»A Line of Type«, 2006). Er schreibt regelmässig unter anderem für die internationale Designzeitschrift »Eye« und »Baseline« und ist als Redakteur von Newslettern für MyFonts.com tätig. Als Berater, Autor und Übersetzer arbeitete er in den letzten Jahren für Schriftverlage wie FontShop, Linotype und LucasFonts, und für die Verlage BIS Publishers, Gestalten, Ypsilon und Phaidon. Als Gestalter macht er vor allem Buchcover für den Belgischen Lannoo Verlag. Seit 2005 wohnt er in Berlin.


Buchkörper 
(Annette Stahmer)
Gestalte ich ein Buch für einen Text, so gebe ich ihm eine neue Gestalt, ein Format, eine Bindung, er besteht aus verschiedenen Materialien – Buchleinen, Papier –, er beherbergt Farben, Formen – vor allem Schriftformen –, die gemeinsam einen Körper bilden. Man spricht von einem ›Buchkörper‹. Diesen Körper hält der Leser in der Hand, er berührt ihn, öffnet ihn, durchblättert die Seiten, nimmt ihn in seiner visuellen, aber auch haptischen und sogar akustischen Materialität wahr. Aus diesem Körper heraus wird nun im Leseprozess die ›Stimme‹ des Autors sprechen. Aber so wie eine menschliche Stimme immer Spuren des sprechenden Körpers in sich trägt und der Körper mit all seinen Befindlichkeiten und seinen Konditionen ›mitspricht‹, so behaupte ich, dass auch die Stimme eines Autors immer Spuren des Buchkörpers, in dem sie gelesen wird, in sich trägt. Die Körperlichkeit des Textes wird mitsprechen, die Stimme beeinflussen. Um diese Körperlichkeit, diese Materialität des Textes wird es in meinem Vortrag gehen, in dem ich einige meiner künstlerischen Projekte vorstellen möchte, die sich mit ebendieser Sprache des Materials beschäftigen und die damit vielleicht ein weiteres Licht auf die Frage nach einer Autorschaft in der Gestaltung werfen können. 


Annette E. Stahmer ist Designerin und Künstlerin und arbeitet an interdisziplinären Projekten zum Thema Sprache und Kommunikation. Sie ist Mitbegründerin des Designbüros »fliegende Teilchen« in Berlin, in dem sie gemeinsam mit André Heers an Projekten vorwiegend im kulturellen Bereich arbeitet. Den Schwerpunkt bilden dabei Bücher und Publikationen für Künstler. Kunden sind internationale Galerien, Museen, Verlage und Universitäten, wie die Ikon Gallery Birmingham, daadgalerie Berlin, MuseumsQuartier Wien, Akademie der Künste Berlin, Revolver Verlag Berlin, argobooks Berlin oder Errant Bodies Press Berlin / Los Angeles. Sie ist Herausgeberin einer Schriftenreihe, die sich mit der Materialität von Sprache beschäftigt, basierend auf ihrem Forschungsprojekt an der Jan van Eyck Academie in Maastricht. Die zweite Ausgabe »Phonetic Skin / Phonetische Haut« wird im Sommer 2011 erscheinen (»Parole #1: The Body of the Voice / Stimmkörper«, Salon Verlag Köln, 2009). Ihre künstlerischen Arbeiten beschäftigen sich vor allem mit der Beziehung von Stimme und Schrift, dem Akt des Schreibens, Schrift als Erinnerungsspur, Palimpsesten, der Sprache des Papiers und Synästhesie. Seit 2009 ist sie Professorin für Typografie und Gestaltung an der Muthesius Kunsthochschule Kiel.

Von der Todlosigkeit des Autors 


(Oswald Egger)
Abbildung: »Der seilflechtende Oknos«, Römisches Brunnenrelief (Vatikan, Galleria dei Candelabri) 


Oswald Egger (*1963 in Lana/Südtirol) lebt auf der Raketenstation Hombroich. 1988–1998 Herausgeber der Zeitschrift »Der Prokurist« sowie der »edition per procura« und »Das böhmische Dorf«, 1986–1995 Veranstalter der »Kulturtage Lana«. Zuletzt erschienen: »nihilum album. Lieder & Gedichte« (Suhrkamp 2007), »Diskrete Stetigkeit. Poesie und Mathematik« (Suhrkamp 2008) und »Die ganze Zeit« (Suhrkamp 2010). Rezente Preise: Huchel-Preis 2007, HC Artmann-Preis 2008, Oskar Pastior-Preis 2010, Karl-Sczuka-Preis 2010 und »Das schönste Deutsche Buch« 2010. Seit 2011 Professor für »Sprache und Gestalt« an der Muthesius Kunsthochschule Kiel.


L’autore siamo noi! 
(Markus Dreßen)
›Man kann nicht viel machen, wenn man nicht zwei ist‹, heisst es bei Jean-Luc Godard. Für das Büchermachen trifft dieser Satz hundertprozentig zu. Denn ähnlich wie der Film oder das Theater ist es eine kollektive Form ästhetischen Produzierens, und genauso wie im Film oder Theater stellt sich auch beim Büchermachen die Frage, wer sich nun als Autor des entstandenen Produktes bezeichnen soll. Der Vortrag entwickelt ausgehend von der eigenen Praxis im Leipziger Spector Bureau und im Verlag Spector Books einige Ideen, was Autorschaft beim Büchermachen bedeuten könnte und wie sie sich in den Büchern darstellen lässt. Als theoretische Bezugspunkte dienen dabei neben dem Konzept des polyphonen Romans, das der sowjetische Literaturwissenschaftler Michail Bachtin in den 1930er Jahren entwickelt hat, vor allem die Analysen zu Subjetivität und immaterieller Produktion, die im italienischen Operaismus seit den 1970er Jahren entwickelt wurden. 


Markus Dreßen (*1971) studierte von 1993 bis 1999 Grafik-Design an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Im Anschluss arbeitete er als Künstlerischer Mitarbeiter für Typografie an der HGB Leipzig. 2000 gründete er zusammen mit Anne König und Jan Wenzel die Arbeitsgemeinschaft »Spector«. Seit 2001 Mitherausgeber der Zeitschrift »Spector cut+paste«. 2004 wurde er in die Alliance Graphique Internationale aufgenommen. 2006 Berufung zum Professor für Grafik-Design an die Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig. Er gestaltete Bücher für Künstler wie Olaf Nicolai, Neo Rauch, Christine Hill, Ramon Haze, entwarf Erscheinungsbilder für die Galerie für Zeitgenössische Kunst und die Oper Leipzig. 2004 wurde Markus Dressen für die Gestaltung des Buches »Olaf Nicolai: Rewind Vorwand« mit der »Goldenen Letter« im Wettbewerb der Stiftung Buchkunst »Schönste Bücher aus aller Welt«, ausgezeichnet. 2007 gewann er den Wettbewerb für das Corporate Design der Kieler Woche. Markus Dressen lebt in Leipzig.


An den Rändern einer Übersetzung 
(Kenan Darwich, Nils Küppers und René Siegfried)
Um die Autorschaft in der Typografie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, möchten wir einen Vergleich zu der augenfälligsten Transpositionsform von Literatur herbeiführen: der übersetzung. Das übersetzen eines Textes von einer Sprache in die andere eröffnet die Problematik, dass – in Anbetracht der sprachspezifischen Unterschiede – keine übersetzung vollständig treu sein kann und an den Inhalt des ursprünglichen Textes rührt. Insbesondere die Dichtung, deren Sinn zunächst untrennbar mit allen Wörtern und Betonungen ihrer Ausgangssprache verbunden ist, fordert im Akt der übersetzung ein deutlich subjektives Empfinden, Einbringen und Entscheiden des übersetzers, um die Art des Meinens zu entdecken und in eine neu vermittelnde Form zu bringen. Ausgehend von diesem literarischen Prinzip suchen wir in unserem Vortrag nach den sich eröffnenden Möglichkeiten, die eine übersetzung von poetischen Texten in typografische Formen bietet. Als Beispiel möchten wir unsere Stipendiatenarbeit in Damaskus vorstellen: In einer typografischen übersetzung, deren Ausdruck sich auf das Material begrenzen sollte, versuchten wir uns sinnlich den Gedanken des syrisch-libanesischen Dichters Fuad Rifka zu nähern. Eine Sammlung von verschiedenen Papieren aus den Damaszener Druckwerkstätten erstellte uns hierfür ein material-typografisches Repertoire, in dem allein die leeren Blätter, ihre Farbigkeit und Formate, zum Zeichen, zum Wort und zur Sprache wurden. Ihre Anzahl, Anordnung und Aufteilung ergaben unsere Schrift.


Die Gruppe »Am Montag«, bestehend aus Kenan Darwich, Nils Küppers und René Siegfried, gründete sich 2008 an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Gemeinsam arbeiten sie mit den Mitteln und dem Ausdruck der inszenierenden Typografie in Form von Text- und Buchgestaltungen.



Ausstellung

Vom 8. bis 24. Juli 2011 wurden studentische (Abschluss-)Arbeiten und Projekte aus dem Fachbereich Typografie und Gestaltung präsentiert.


Workshop

Vom 4. bis 7. Juli 2011 fand unter dem Titel ›Apfelmus 99 Cent‹ ein Workshop mit dem niederländischen Designer und Künstler Melle Hammer statt.


Gestaltung

Abbildungen folgen in Kürze.


Impressum

Konzept, Organisation, Gestaltung:
Omar Nicolas, Maret Tholen, Hagen Verleger

Kontakt: dialogderschrift@muthesius.de


Dank an: Prof.in Annette Stahmer, Prof. André Heers,
Prof.in Dr. phil. habil. Petra Maria Meyer, Kenan Darwich,
Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, Hotel Berliner Hof,
Sarah Trentweber (Fotografie), Hauke Burghart (Fotografie Plakat), Jakob Runge (Website)